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Was bleibt, wenn alles geht?

  • Özlem
  • 8. Juni 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Juli 2025

Ein Text über Dinge, die man nicht einpacken kann.

ein Hund steht in den leeren Wintergarten

Es hallt schon ein wenig im Flur.


Die Wände sind nackt, der Tisch leer, die Schubladen offen. An den Stellen, wo Möbel standen, sind helle Flecken im Holzboden. Überall diese kleinen Spuren eines Alltags, der hier einmal gewohnt hat.

Wir haben fast alles verkauft, verschenkt, verpackt.

Und doch ist das Haus noch voller Dinge.

Nicht sichtbar – aber fühlbar.


Da ist zum Beispiel der Abdruck unseres Lebens im Parkett – dort, wo jahrelang das Aquarium stand. Der kleine Kratzer im Türrahmen, entstanden beim Umstellen der Möbel, den wir nie überstrichen haben. Das Klicken des Lichtschalters im Flur, das immer ein bisschen zu laut war. Die winzige Delle an der Küchenarbeitsplatte vom ersten selbst gebackenen Brot. Der Geruch von Ölfarbe, wenn ich gemalt habe – still versunken, ganz bei mir. Die Gitarrenklänge meines Sohnes, wenn er einen neuen Song übte oder mir etwas vorspielte. Das Regenrauschen auf dem Dach des Wintergartens – manchmal beruhigend, manchmal melancholisch. Und das Knistern des Kamins an langen Winterabenden, wenn draußen schon alles dunkel war und drinnen die Zeit ein wenig langsamer lief.


Diese Dinge kann man nicht in Kartons packen.

Sie bleiben – als feine Schicht Erinnerung auf allem, was wir berühren.

Und vielleicht sind es gerade diese Dinge, die wirklich zählen.


Was bleibt, wenn alles geht?

Ein Lächeln, wenn man an einem bestimmten Lied vorbeikommt. Ein Stück Gewohnheit im Handgriff der Kaffeetasse. Ein tiefes Ausatmen, wenn man am Abend in die Stille tritt.

Und der Blick füreinander – der sich verändert hat. Ruhiger. Offener. Vielleicht auch verletzlicher.

Wir dachten, Loslassen bedeutet: Weniger besitzen. Aber je leerer das Haus wurde, desto mehr merkten wir, wie viel wir mitnehmen.

Nicht im Gepäck. Sondern im Herzen.


Die Wärme eines Zuhauses.

Die Geschichten der Dinge, die uns begleitet haben.

Und das Wissen:

Zuhause ist nicht, was bleibt –

sondern was wir mitnehmen.

In uns.

2 Kommentare


Lars
09. Juni 2025

Sehr schöne Worte, die ihr da gefunden habt!

Gefällt mir
Özlem
31. Juli 2025
Antwort an

Danke Dir.😊

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glückliches Ehepaar

Über uns

Wir sind zwei Menschen, ein Hund und ein Gefühl.

Ein Gefühl, das irgendwann zu laut wurde, um es zu ignorieren.  Mit dem Wunsch, das Leben nicht länger aufzuschieben – sondern es wirklich zu leben.

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