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Einmal kurz anhalten, bitte

  • Özlem
  • vor 4 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

bahn

Vanlife fühlt sich für mich an,

als wäre man aus einer ultramodernen Hochgeschwindigkeitsbahn ausgestiegen

und in eine alte Dampflok eingestiegen.


Von außen sieht es oft so aus,

als hätte man auf etwas Besseres verzichtet.

Auf Komfort. Auf Geschwindigkeit. Auf Fortschritt.

Als wäre man freiwillig langsamer, unbequemer,

ein Stück aus der Zeit gefallen.

.

Aber vielleicht ist es genau andersherum.


Wir leben in einer Zeit,

in der alles so schnell ist,

dass wir kaum noch wahrnehmen, wo wir eigentlich sind.

Landschaften verschwimmen.

Tage auch.


Wir wissen theoretisch sehr genau,

wo wir stehen und wohin wir gehen.

Wir haben Kalender, Navigation, Erinnerungen, Algorithmen.

Und trotzdem fehlt etwas Entscheidendes:

das Gefühl von Kontrolle über das eigene Leben.


Nicht, weil wir zu wenig wissen.

Sondern weil wir kaum noch innehalten.


Zwischen Social Media, Internet, Serien, Nachrichten

und den endlosen Alltagsaufgaben

bleibt wenig Raum für echte Selbstreflexion.

Für ehrliche Fragen.

Für Stille.


Viele Menschen sind nicht grundsätzlich unzufrieden.

Sie sind überreizt.

Dauerhaft online.

Dauerhaft konsumierend.

Gedanken, Bilder, Meinungen, Leben der anderen.


Und während wir theoretisch alles wissen,

verlieren wir praktisch den Kontakt zu uns selbst.


Wann hast du dich das letzte Mal gefragt,

was du wirklich willst?

Nicht, was sinnvoll wäre.

Nicht, was man macht.

Nicht, was gut aussieht.


Sondern was sich nach dir anfühlt.


Unterwegs im Van wird das Leben plötzlich klein.

Nicht eng – sondern übersichtlich.


Die Fragen werden einfacher:

Wo werden wir heute sein?

Was essen wir heute Abend?

Wo füllen wir Wasser auf?


Dazwischen:

arbeiten – gerade so viel, dass es reicht.

schreiben.

lesen.

mit dem Hund rausgehen.

Natur einatmen.

Und auf sich achten –

damit es einem seelisch und körperlich gut geht.


Das Leben wird nicht weniger.

Es wird klarer.


Und genau dort beginnt etwas,

das im normalen Alltag oft verloren geht:

Selbstreflexion.


Nicht als großes Projekt.

Nicht als Selbstoptimierung.

Sondern als leiser Blick nach innen.


Was brauche ich wirklich?

Was lenkt mich nur ab?

Was nährt mich –

und was betäubt mich?


Vielleicht entsteht Frust genau dort,

wo wir diese Fragen nicht mehr stellen.

Nicht, weil das Leben falsch ist.

Sondern weil wir es kaum noch bewusst erleben.


Wie in einem Film,

in dem alles läuft,

aber wir selbst nur Zuschauer sind.


Manchmal denke ich an den Film "Matrix".

An diesen Moment des Aufwachens.

Nicht spektakulär.

Nicht laut.

Sondern still.


Der Moment, in dem man merkt,

dass das, was alle für normal halten,

nicht zwingend das eigene Leben sein muss.


Aufwachen heißt nicht,

alles hinter sich zu lassen.

Aber es kann bedeuten,

Dinge nicht mehr einfach hinzunehmen.


Aufwachen heißt,

wieder hinzusehen.

Sich Zeit zu nehmen.

Nicht alles sofort zu füllen.


Vielleicht ist die Dampflok gar kein Rückschritt.

Vielleicht ist sie einfach langsam genug,

um wieder zu merken,

wo man ist.


Und wer man eigentlich sein möchte.

Kommentare


glückliches Ehepaar

Über uns

Wir sind zwei Menschen, ein Hund und ein Gefühl.

Ein Gefühl, das irgendwann zu laut wurde, um es zu ignorieren.  Mit dem Wunsch, das Leben nicht länger aufzuschieben – sondern es wirklich zu leben.

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